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am 27. Juli

Wie uns Märkte täuschen

Martin Danner - Rückschau auf den Film „The Green Lie“ („Die grüne Lüge“)

Im Rahmen des „Festes für die Zukunft“ wurde am 7. Juni der Film „The Green Lie“ gezeigt, der sich mit den Öko-Lügen großer Konzerne auseinandersetzt. Der Film war sehr gut besucht, das Publikum brachte großes Interesse mit – es gibt wohl Potential, sich in unserer Region weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

Gern wird in wirtschaftsliberalen Kreisen von einer „Weisheit der Märkte“ gesprochen – beginnend mit der „unsichtbaren Hand“ des Adam Smith, der meint „Indem [jeder] seine eigenen Interessen verfolgt, fördert er oft diejenigen der Gesellschaft auf wirksamere Weise, als wenn er tatsächlich beabsichtigt, sie zu fördern.“

Wirtschaften ist ein komplexes, vernetztes Geschehen, das Rohstoffe, Energie, ProduzentInnen, VerarbeiterInnen, ArbeitnehmerInnen und VerbraucherInnen verbindet. Geld ist darin auch als Informationsträger zu verstehen, das in Form von Preisen eine Optimierung im Fluss der Waren und Dienstleistungen ermöglicht und als Tauschmittel diesen vereinfacht.

Dieses Geld ist nun recht „dumm“: Es mag zum Einkauf von Biolebensmitteln dienen, als Pension die verdiente Lebensgrundlage unserer Alten sein, kann aber auch zum Ankauf von Kriegsgerät oder zur Finanzierung von Verbrechen genutzt werden. Jeder Umsatz, egal ob dienlich oder destruktiv, steigert das Bruttonationalprodukt.

In unserer lokal überblickbaren, kleinen und scheinbar heilen Welt, die wir tagtäglich wahrnehmen, ist über ein historisch gewachsenes System von Regeln, Gesetzen und Verträgen eine als weitgehend gerecht empfundene und stabile Ordnung entstanden: So funktioniert Wirtschaft (für uns). Das ist keine statische, geschweigedenn natürliche Ordnung, sondern entwickelt sich in der Gesetzgebung, in Steuern, durch Verhandlungen von Sozialpartnern uva. immer weiter.

Verändert man die Perspektive auf globale Zusammenhänge, wird schnell klar, dass diese unsere Rechtsvorstellungen nur für einen kleinen Teil der Welt gelten. Wenn soziale Ausbeutung, Umweltzerstörung, Landraub, Menschenhandel und Vertreibung – alle diese Vorgänge wären in Österreich weitgehend strafbare Tatbestände – in Gebieten des globalen Südens ungestraft zu einer „Vereinfachung“ der Geschäftstätigkeit von Firmen und Konzernen führen, können so Waren zu günstigeren Preisen und mit höheren Gewinnen hergestellt werden, was auch unsere Konsumgüter verbilligt oder überhaupt erst ermöglicht.

Würde, was wir täglich konsumieren und verbrauchen, zu den Bedingungen unserer Rechts-, Sozial und Umweltstandards erzeugt werden, würde manches Preisschild im Supermarkt oder beim Internethändler ganz anders aussehen. Dazu werden viele Produkte mit irreführenden Images und teils selbst erfundenen oder weitgehend inhaltslosen Gütesiegeln geschmückt und machen uns so das bedenkenlose Zugreifen leicht.

Als Konsument kann man davon ausgehen, dass in fast jedem Produkt Unrecht, Umweltzerstörung und Ausbeutung enthalten sind – als verschwiegene Zutaten entlang der Produktionsgeschichte in der Sphäre des globalen Wirtschaftens. An Energieträgern, Erzen und Mineralien, Holz und Textilien, Lebensmitteln und Elektronik kleben Umweltzerstörung, Ausbeutung und/oder Vertreibung als Folge des historischen und neuen Kolonialismus und auch Wettbewerbs.

Es ist schwer, sich ohne Blut, Unrecht und Gewalt zu versorgen: Verschlungen und intransparent sind die Produktionsbedingungen und Handelswege. Wenn ein heimischer Gewerbetreibender Rohstoffe und Bauteile, Zutaten und Grundmaterialien am Zuliefermarkt einkauft, kann er kaum beurteilen, ob diese aus „sauberen“ Quellen stammen oder in für uns unzumutbaren Bedingungen erzeugt wurden. Der „Markt“ kennt nur Menge und Preis, Menschenwürde und Umweltschutz sind unsichtbar.

Dennoch gibt es Produkte und Bewegungen, die für sich in Anspruch nehmen dürfen, fair(er) zu sein: Produkte mit Fair-Trade-Siegel ermöglichen dem Erzeuger ein höheres Einkommen als den ausbeuterischen Marktpreis.
Elektronikprodukte wie das Fairphone oder die Faire Maus von Nager IT versuchen, ihre Rohstoffe aus fairen Quellen zu beziehen und soziale Standards zu gewährleisten.
Bio-Produkte sind deutlich strengeren Regeln unterworfen als konventionelle Erzeugnisse.
Ökostrom mit Umweltzeichen ist sicher kein Fossilstrom mit aufgeklebten Zertifikaten.
Dass diese Produkte nicht so billig sind wie gängige Diskont-Wischiwaschi-Ware, wird so auch klar. Gerechtigkeit hat ihren Preis.

Aber auch Unrecht hat seine Folgekosten, welche andere, oft weit entfernte Menschen bezahlen müssen. Und, weil wir auf einem begrenzten, gemeinsamen Planeten leben, auch uns treffen können, über verzweigte Wirkmechanismen, deren Ursache nicht mehr direkt erkennbar ist. Oder unsere Kinder und Enkelkinder.

Da hilft weder ein Leugnen des Klimawandels noch die selbstgefällige Behauptung, die Mittelmeerroute geschlossen zu haben.

Wie uns Politiker täuschen


Eine Podiumsdiskussion nach dem Film „Die Grüne Lüge“ versuchte, das Gesehene auf die lokale Situation herunterzubrechen. Das zeigte für den aufmerksamen BeobachterInnen zugleich auch die Grenzen lokaler Politik auf. Ich will hier keiner der handelnden Personen nahe treten, nur versuchen, Mechanismen aufzuzeigen.

So scheint Politik zu funktionieren


PolitikerInnen, besonders in Regierungsverantwortung, bedienen auch einen Markt: den der WählerInnen und Meinungen.
In diesem Markt ist die Einheit nicht Geld, sondern Zustimmung: Jede Stimme dazu sichert die eigene Position für die nächste Periode.

Die Ware ist die Geschichte des eigenen Erfolgs. Erfolg, an dem man teilhaben lässt, indem man eine Geschichte erzählt von „uns“ im Gegensatz zu den „anderen“.
Erfolg wird oft gleichgesetzt mit „keine Probleme“ oder „Probleme im Griff haben“ oder „etwas für die (eigenen) Leute tun“. Wen wundert es, dass im Habitus des Gnädigen Fürsten eine „Brot-und-Spiele“-Atmosphäre geschaffen wird, um erfolgreich zu erscheinen und um von lästigen Themen abzulenken.

Kritische Berichterstattung und andere Meinungen sind da oft lästig, weil sie die eigenen Erfolge anpatzen können. Da muss man doch was (dagegen) tun!?

Es könnte aber auch so sein: PolitikerInnen, besonders in Regierungsverantwortung, vertreten ihre WählerInnen, bündeln ihre Stimme. Je mehr Stimmen, desto mehr an Verantwortung für das gemeinsame Wohl aller. Repräsentative Demokratie eben.

Das gemeinsame Wohl ist kein Markt, sondern eine gemeinsame Regeln gebende Instanz über die Märkte. Korruption ist beim Regelngeben daher ein No-Go!

Erfolgreich ist man, wenn Probleme frühzeitig erkannt und diese mit Weitsicht und in Abstimmung mit anderen gelöst oder gestaltet werden. Da muss oft eine Regel angepasst  oder Bestehendes verändert werden, was sicher nicht allen Beteiligten gefallen wird. Aber ein Verharren würde das Problem vergrößern.

Kritische Berichterstattung und Opposition sind neben dem Einbringen anderer Perspektiven ein wichtiges Korrektiv, sollten die Verantwortlichen der Schwäche der Klientelpolitik, des verengten Denkens und Handeln erliegen. Da muss man was dafür tun!

Nun, liebe Leser und Leserinnen, es liegt an Ihnen zu beurteilen, wo unsere nationale und regionale Regierung steht, wie weitsichtig oder wirkmächtig sie zum Wohle der Menschen agiert.

Wir als Grüne sind der festen Überzeugung, dass die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft, gerade in Zeiten zunehmenden Bewusstseins der Komplexität unserer vernetzten Welt, vieler Stimmen und Sichten bedarf.
Wir sind bereit, uns einzubringen und auch (lästige) Fragen zu stellen.

Ich bin überzeugt: Es braucht uns mehr denn je!
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