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am 27. Juli

BürgerIn oder KonsumentIn

Roland Atzlesberger - Durch Konsum die Welt retten – wie uns illusorische Ideen davon abhalten, Sinnvolles zu bewirken.

The green lie

Der Film „The Green Lie“ hat es für mich auf den Punkt gebracht: Heutzutage benötigt es ein Studium in Wirtschaft, Ökologie und Recht, um den Ansprüchen an „faires Einkaufen“ genüge zu tun. Von den Konzernen, aber auch von politischer Seite wird suggeriert, dass der Konsument/die Konsumentin alles in der Hand hätte – durch seine/ihre Kaufentscheidung bestimmen würde, was und wie produziert wird.
Augenauswischerei! Ich wünsche mir, dass sich das Denken umkehrt: Nicht der Konsument als Individuum ist zuständig, dass er keine giftigen, sozial oder für die Umwelt schädigenden Produkte kauft! Es geht für mich dabei um eine gesellschaftliche Entscheidung, wobei der Gesetzgeber und im weiteren Sinn die Staatengemeinschaft dafür sorgen sollen.
Man könnte die Strategie dahinter als freiwillig akzeptierten Erpressungsakt bezeichnen - ist doch pervers: Wir bezahlen beispielsweise mehr Geld dafür, dass unsere Nahrungsmittel NICHT mit Gift besprüht sind.

Ich möchte keine Minute damit verschwenden müssen, zu überlegen, wie ethisch mein Einkauf ist.
In meinem Leben dreht sich zu vieles um Konsum. Auch wenn ich fair trade oder bio oder regional einkaufe, bleibt unterm Strich, dass ich als Verbraucher und nicht als Bürger agieren soll. Diese ganzen Entscheidungen, wen oder was ich mit meinem Einkauf unterstütze, nerven und verschlingen zu viel Energie, die ich für wirklich wichtige Dinge aufwenden könnte. Angelegenheiten, die ich, gemeinsam mit anderen Bürgern und Bürgerinnen, mit gemeinsamem Energieeinsatz auch wirklich bewegen könnte.
Menschen, die sich vom gängigen „ungerechten“ Wirtschaftssystem abwenden, sind, ohne es zu merken, in eben der gleichen Falle.
Auch bei ihnen dreht sich alles um Konsum, auch sie sind dauernd mit Kaufentscheidungen befasst. Die Konzerne reagieren schon längst mit Angeboten für alle LetztverbraucherIn und machen auch noch mit dem Bio- oder Fair-Etikett gute Geschäfte. Die einen leisten sich teure Biowaren, den anderen wird schwermetallbelastete Billigkleidung aus Kinderarbeitshänden angedreht. KäuferInnen sind sie alle. Kaum einer geht den Konzernen durch die Lappen.
Sofern wir uns nicht in allen Lebensbereichen selbst versorgen können, sind wir natürlich auf Ware angewiesen. Das ist schon seit vielen Jahrhunderten so.
Dennoch ist die Rolle als „Konsument“ eine relativ neue Erscheinung, an die wir uns einfach gewöhnt haben.

Sich weniger mit Konsum beschäftigen zu müssen, würde nämlich für mich bedeuten, sich mehr in die Bereiche einzubringen, wie Menschen ihr Zusammenleben auch auf wirtschaftlicher Ebene gestalten.

Dazu sind wir meiner Meinung nach als Bürger ja gemacht.
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