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am 5. April

Ganzjährig frisches Gemüse aus Spanien, zu welchem Preis?

Hartmut Jilg - Almeria – der Gemüsegarten Europas. Unter ungefähr 57 000 Hektar Gewächshausfläche wachsen Paprika, Tomaten, Gurken, Zucchini und Salat und werden in Supermärkte in halb Europa verschickt.

Gemüse

Das Gemüse ist dank des günstigen Klimas sensationell preiswert – aber auch durch die billigen Arbeistkräfte aus Osteuropa und Nordafrika, die z. T. unter äußerst prekären Bedingungen arbeiten.  
Ende 2011 gab es laut Einwohnermeldeamt 155.000 ArbeitsmigrantInnen mit regulärem Aufenthaltsstatus allein in Almería. Das sind fast 22 Prozent der lokalen Bevölkerung. (https://tinyurl.com/zeit-de-landwirtschaft​)

Ich bin betroffen. Im Winterhalbjahr bekommen wir bei uns hauptsächlich Gemüse aus Spanien. In den Foliengewächshäusern arbeiten Menschen noch ohne jegliche Schutzkleidung und leiden an Hautausschlägen, Kopfschmerzen, Augenschäden – im schlimmsten Fall Krebs.

Viele dieser ArbeiterInnen sind zudem illegal in Spanien und ihr Lohn beträgt oft nur ca. € 3,- pro Stunde, also weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Tagelöhner leben oft in menschenunwürdigen Verhältnissen, teilweise in Hütten ohne Strom und Wasser.

Unternehmen, die landwirtschaftliche Produkte erzeugen, profitieren von der Arbeitsmigration – und es ist fast unmöglich, darauf zu verzichten. Auch der spanische Staat profitiert von dieser sklavenähnlichen Ausbeutung.

Abgesehen von den sozialen sind die ökologischen Auswirkungen immens negativ: Enorm hoher Wasserverbrauch dort, wo kaum Wasser ist, immenser Pestizid- und Düngereinsatz - diese landen im Grundwasser (und letztendlich in den Mägen der Mitteleuropäer). Die Reflexion der Sonne auf den Gewächshäusern verändert das Mikroklima.

Ich wünsche mir, dass die VerbraucherInnen bei uns mehr Bewusstsein entwickeln, welche Auswirkungen ihr Konsumverhalten hat, aber vor allem, dass die Europäische Union dafür Sorge trägt, dass ihre eigenen Gesetze eingehalten werden.

Hartmut Jilg​​
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gemüsebuch Wolfgang Palme

Wolfgang Palme: Frisches Gemüse im Winter ernten Löwenzahn Verlag Innsbruck 2016
29,90
384 Seiten
ISBN-13: 978-3706625920​

Das Buch „Frisches Gemüse im Winter ernten“ hat mich schlichtweg begeistert! Der Autor Leiter der Abteilung Gemüsebau an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Wien–Schönbrunn vermag es, für das Thema das Feuer in GärtnerInnen zu wecken.

Der Winter – die verlorene Jahreszeit
Bei Gemüseanbau denken die wenigesten an die kalte Jahreszeit. „Frisches“ Gemüse vermuten wir in Spanien, Italien oder gar in Übersee. Palme gibt Beispiele, wie der Anbau und die Ernte auch in klimatisch unbegünstigten Lagen gelingen – ganz ohne Einsatz zusätzlicher Heizung oder von Glashäusern. Er versichert glaubhaft: Jedem, der über einen Zugang zu Garten oder Balkon verfügt ist es möglich  Spinat, Brokkoli und Co zu ernten - und diese, so sein Credo, schmecken durch die Kälte sogar noch aromatischer.

Das Buch gibt zahlreiche Beispiele der besten Sorten von Wintergemüsen, aber auch „altes“ Gartenwissen wie den Einsatz von Mistbeeten und informiert über Boden- und Wetterbedingungen.

Das Potential, das in dem Thema steckt, war mir gar nicht bewusst. Für mich selber habe ich beschlossen, gleich im nächsten Winter zu starten!

Roland Atzlesberger​

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