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am 18. Juli

Schulküche oder Diakonieessen?

Jenny Niebsch - Seit Januar dieses Jahres steht die Frage im Raum, ob mit dem Neubau der VS Schweinbach die Küche wieder als Produktionsküche gebaut werden soll oder ob man nur eine Ausgabeküche einrichtet und das Essen von der Diakonie bezieht.

Wir möchten an dieser Stelle darüber informieren und unsere Meinung zu dieser Frage und zum Prozess der Entscheidungsfindung darlegen.

Zahlen und Fakten


Die Küche versorgt die beiden Volksschulen und fast alle Kinderbetreuungseinrichtungen der Gemeinde mit Essen. Derzeit werden jährlich ca. 50.000 Essen (ca. 240 pro Tag) mit weniger als zwei Personaleinheiten, einer Hauptköchin und drei Helferinnen, die alle in Teilzeit arbeiten, gekocht. Das Essen kann kostendeckend zu einem sehr günstigen Preis angeboten werden, derzeit (Herbst 2018) zwischen € 2,50 und € 3,00. Es wird nach den Kriterien der Gesunden Küche gekocht, die in vorbildlichem Maße erfüllt werden. Die Zufriedenheit bei Kindern und Eltern ist laut Gemeindeumfrage von 2017 sehr hoch. Die pädagogischen Kräfte loben die Küche und die gute Zusammenarbeit. In regelmäßigen Gesprächen ist man um stetige Verbesserung der Qualität bemüht.
Eine Neuausstattung der Küche in der neuen Volksschule wird durch die zusätzlichen Abschreibungen zu einer Erhöhung des Essenpreises führen. Nach bisherigen Schätzungen sind das etwa € 0,30 pro Portion. Das ergäbe einen Preis zwischen € 2,80 und € 3,30.

Die Diakonie, ein Engerwitzdorfer Betrieb, kocht in einer Großküche derzeit 600-700 Essen pro Tag. Eine Vollauslastung wäre bei 1000 -1100 Essen erreicht. Es wird ebenfalls nach den Kriterien der Gesunden Küche gekocht. Das Essen ist entsprechend abwechslungsreich und ebenfalls so weit wie möglich mit regionalen Zutaten zubereitet. Der Preis der angebotenen Portionen liegt derzeit zwischen € 3,45 (Krabbelstube) und € 3,73 (Schulkind). Auf den Preis müssen allerdings noch die Kosten, die der Gemeinde trotzdem entstehen, wie Personalkosten für die Austeilkräfte, Verwaltungskosten und die Abschreibung der Kücheneinrichtung einer Ausgabeküche aufgeschlagen werden. Nach ersten Schätzungen sind das mindestens zusätzlich € 0,60 pro Portion, was einen Preis zwischen € 4,05 und € 4,33 ergeben würde.
Über die Qualität des Essens sind keine Umfragen bekannt. Von der VS Alberndorf wird das Essen sehr gelobt, in Gallneukirchen (Martin-Boos-Schule) gab es nach unseren Informationen etliche Abmeldungen nach dem Wechsel zu Diakonie.

Die Position der Grünen


Wir sind für den Erhalt der eigenen Schulküche. Wir sind der Meinung, dass dort qualitativ hochwertiges Essen zu einem sehr günstigen Preis gekocht wird. Die Eltern sind zufrieden (Durchschnittsnote 1,6), die Pädagoginnen wünschen sich ebenfalls einen Erhalt. Die Küche kocht ausschließlich für Kinder. Mit einer eigenen Schulküche behalten wir die Sicherheit der Einflussnahme und können schnell reagieren, wenn einmal etwas nicht passt. Die Kinder, zumindest der VS Schweinbach, erleben das Kochen als Prozess täglich mit und kennen ihre Köchinnen. Von den Argumenten, die für einen Wechsel zu einem externen Anbieter angeführt wurden, bleibt lediglich die Versorgungssicherheit übrig – also was macht man, wenn die Hauptköchin für längere Zeit ausfällt. Wir sind aber sicher, dass sich ein entsprechender Notfallplan entwickeln lässt, der dann zum Einsatz kommt. (In den letzten 20 Jahren gab es diesen Fall nicht ein einziges Mal.)

Die Kontroverse


Die Fraktionen im Gemeinderat wurden im Januar 2018 informiert, dass eine Veränderung zur Diskussion steht. Dabei wurden Argumente genannt, die für den Wechsel zur Diakonie sprechen. Gründe für die Beibehaltung einer eigenen Küche wurden seitens des Bürgermeisters keine angeführt. Die Frage wurde in den Fraktionen diskutiert. Dabei wurde in unserer Fraktion u.a. die Gestaltung der Essens-preise als wichtig empfunden. Im März stellten wir eine Anfrage im Ausschuss für Kinderbetreuung, Schule, Kultur und Sport zu den Kosten einer Produktionsküche im Vergleich zur Ausgabeküche. Diese wurde mit dem Verweis, dass zu diesem Zeitpunkt dazu keine Angaben gemacht werden können, beantwortet. Nachdem bis zum Juni dazu keine Erhebungen gemacht wurden, haben wir selbst die Zahlen innerhalb von 10 Tagen vom Generalübernehmer erhalten. Auf dessen Schätzungen beruhen die oben genannten Preise.

Wir haben darüber hinaus im April vom Bürgermeister gefordert, dieses Thema ergebnisoffen mit VertreterInnen aller Beteiligten (Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen, Fraktionen) zu diskutieren und nach der besten Lösung zu suchen. Diese Forderung wurde bis Anfang Juli nicht erfüllt.

Ende April erfolgte eine Information der Leiterinnen der Schulen und Kindereinrichtungen sowie von Elternvertretern der Volksschulen durch den Bürgermeister. Trotz ausdrücklichen Wunsches durften wir bei diesem Treffen nicht dabei sein. Eine Nachfrage bei Beteiligten ergab, dass Äußerungen für den Erhalt der Schulküche nicht erwünscht waren. Es wurde zwar erwähnt, dass die Frage noch nicht vom Gemeinderat entschieden ist, aber alle Befragten verließen die Veranstaltung mit der Gewissheit, dass in Zukunft das Essen von der Diakonie kommt.

Nach unseren Informationen fand im Mai oder Juni ein Gespräch mit dem Küchenteam statt, bei dem diesem untersagt wurde, sich gegenüber Dritten zu diesem Thema zu äußern.

Nachdem wir einen Teil der Eltern im Mai mit den grundlegenden Informationen versorgt hatten, fand eine Unterschriftensammlung Pro-Schulküche statt, bei der in kurzer Zeit 400 Unterschriften zusammenkamen, die am 5.7.18 dem Gemeinderat übergeben wurden (Foto).
Diese Unterschriftensammlung hat nun dazu geführt, dass eine ergebnisoffene Diskussion offiziell für den Herbst zugesagt ist.

Schluss


Ich persönlich bin von der Art und Weise, in der der Bürgermeister in den vergangenen Wochen offensichtlich selektiv und tendenziell informiert und einseitig Pro-Diakonie gehandelt hat, sehr betroffen. Ich kann daher nicht anders als mit einem gewissen Misstrauen in die zugesagten Gespräche im Herbst gehen.​

Übergabe Unterschriften
Übergabe der Unterschriften im Gemeinderat
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