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am 18. Juli

Die "Ostumfahrung Linz": Ein Bericht über kurzsichtig Unvernunft

Christian Wagner - Im Jahr 2015 haben die Planer, nach ausführlicher Suche, eine Trassenvariante für die geplante Ostumfahrung empfohlen.

Wie schon damals berichtet, zweigt in dieser Variante die Ostumfahrung in Mittertreffling von der A7 ab und verläuft in einem Tunnel bis Steyregg. Dort quert die neue Autobahn die Donau, folgt der Traun, durchschneidet Linz-Ebelsberg und knüpft schließlich an die A1 an (siehe Bild). Von dem seit der Wahl neu zuständigen Landesrat Steinkellner war dann aber lange Zeit nichts zu dem Thema zu hören.
Vor kurzem wurde im Rahmen einer „Strategischen Umweltprüfung“ (SUP) der abschließende Umweltbericht veröffentlicht.

Ohne Rücksicht auf die Interessen der AnrainerInnen, die Klimakrise und die Luftverschmutzung wird an der Planung dieser neuen Autobahn festgehalten. Und das obwohl der Landesrechnungshof (LRH) schon 2011 festgestellt hat, dass der „Straßenneubau zugunsten der Straßenerhaltung und in weiterer Folge zugunsten des Ausbaues im öffentlichen Verkehrssystem schrittweise zurückzunehmen ist“. Die Priorität soll auf der Schaffung einer nachhaltigen Verkehrsinfrastruktur liegen.
Die Entscheidungsträger aber ignorieren diese Feststellung des LRH und geben weiterhin dem motorisierten Individualverkehr den Vorrang.

Dabei muss die Sinnhaftigkeit des Projektes „Ostumfahrung Linz“ generell in Frage gestellt werden. Der überwiegende Teil der Autos auf der A7 kommt aus Linz oder fährt dort hin. Nur ein Drittel ist Durchzugsverkehr. VertreterInnen der betroffenen Gemeinden, insbesondere aus Engerwitzdorf, haben daher gefordert, bei den Verkehrsprognosen auch den Einfluss der Regiotram Linz-Gallneukirchen-Pregarten mit einzubeziehen. Das wurde letztlich auch gemacht, aber nur mit dem Planungsstand von 2013. Damals gab es noch keine Pläne wie die Regiotram ins Straßenbahnnetz von Linz eingebunden werden soll.
Eine Regiotram mit Endpunkt in Linz-Dornach ohne Anschluss an die bestehenden Linien wäre sinnlos und so natürlich auch nicht geplant.

Mittlerweile werden im Gemeinderat von Linz auch konkrete Varianten diskutiert.
Trotzdem erfolgte die Prognoserechnung mit einer Regiotram die in Dornach endet (Kapitel 4.5 Seite 78 Verkehrsuntersuchung SUP). Im Umweltbericht zur SUP ist dann von dieser Einschränkung keine Rede mehr, und es entsteht der Eindruck, die Regiotram hätte keinen sehr großen Effekt auf den Pendlerverkehr. Eine versuchte Irreführung?

Aber selbst mit diesem unvollständigen Berechnungsmodell sind die Zahlen beeindruckend. Derzeit gibt es täglich 36000 Personenfahrten in PKW auf der A7 bzw. der B125. Diesen steht eine Gruppe von 8000 Personen gegenüber, die mit Linienbussen fahren. Durch die Regiotram steigt laut den Prognosen die Anzahl der Passagiere, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen fast auf das Doppelte an, auf insgesamt rund 15000 Menschen. Die Differenz von 7000 Personen entspricht mehr als  5000 PKW pro Tag weniger auf der Straße. Das hört sich erst mal nicht so viel an, aber diese Zahl reicht, wie wir alle in der Ferienzeit sehen können, aus, um die Stauproblematik im Frühverkehr nach Linz wesentlich zu entschärfen. Insbesondere weil mit dem derzeitigen Ausbau der Autobahnbrücke das Nadelöhr auf der A7 behoben wird, das derzeit für den Großteil der Staus verantwortlich ist.

Im Klimaschutzübereinkommen von Paris wurde festgelegt, dass Österreich bis 2030 36% Treibhausgase einsparen muss. In der Klimastrategie hat die Bundesregierung beschlossen, dass der Verkehr in Österreich bis 2050 weitgehend CO2-neutral sein muss. Wie sollen diese Ziele erreicht werden, wenn ein neues Straßenbauprojekt das nächste jagt? Es ist höchst unvernünftig, weiter hochrangige Straßen zu bauen, wenn ganz klar ist, dass sich die Mobilität verändern muss. Wir müssen zumindest alles versuchen, damit die Klimaveränderung, die wir jetzt schon jedes Jahr zu spüren bekommen, nicht weiter in diesem Tempo fortschreitet!

Das Gemeindegebiet von Engerwitzdorf ist durch schädliche Abgase, die auf der A7 entstehen belastet. Besonders für Mittertreffling würden die Schadstoffe, die aus dem Tunnelende nach draußen strömen, eine weitere Verschlechterung der Luftqualität bedeuten.

Durch den Bau der Ostumfahrung würden große Teile unserer unmittelbaren Umwelt sowie wichtige Naherholungsgebiete unwiederbringlich zerstört.
Auch der Bau eines so langen Tunnels hat unter Umständen einen dramatischen Einfluss auf das Grundwassersystem. Am Beispiel des S10 Tunnels in Götschka ist dies deutlich zu sehen. Hier sind Quellen versiegt und ganze Bäche verschwunden. Das könnte auch beim Tunnel der Ostumfahrung passieren. Vor allem in Steyregg, aber auch im Bereich Alte Linzerstrasse / Binderweg und nördlich davon.

Es muss eine Kehrtwende in der Verkehrspolitik geben! Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen ausgebaut werden. Das heißt in diesem Fall: eine rasche Umsetzung des Projektes Regiotram sowie eine Attraktivierung der Summerauerbahn für die PendlerInnen und deren Ausbau, damit der Transitverkehr auf die Schienen verlegt werden kann. Diese beiden Maßnahmen wären für den Errichtungspreis der Ostumfahrung, der mindestens 700 Millionen Euro  beträgt, zu verwirklichen.

Der fertige Ausbau der Summerauerbahn wurde schon gleichzeitig mit Fertigstellung der S10 versprochen. Es darf nicht sein, dass es bei Schienenprojekten und öffentlichem Verkehr nur bei leeren Versprechungen bleibt, während ein Monster-Straßenprojekt nach dem anderen in die Landschaft betoniert wird.
Um die lokalen Alternativen wieder in Erinnerung zu rufen, planen wir eine gemeinsame Wanderung entlang der zukünftigen Regiotramtrasse zu machen​

Gemma Regiotram
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