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am 2. April

Wie wollen wir wohnen? In dreißig Jahren?

Roland Atzlesberger - „Vater, Mutter, Kind war gestern.“ Der Bedarf an alternativen Wohnformen wird immer größer.

GenerationenWohnen Gartsen
„Nachbarschaftliches Wohnen“, GENAWO GmbH, Garsten

Es gibt wieder Bedarf nach Nachbarschaft, generationenverbindenden Wohnformen und stärkerem sozialen Zusammenhalt. Ein Bericht über das Regionsprojekt „Leben in Gemeinschaft“ der Leader-Region Freistadt:

Die Leader-Region Mühlviertler Kernland lud am 16. Februar zur Auftaktveranstaltung zum Projekt „Neues Wohnen in Gemeinschaft – wie wollen Sie 2050 leben und wohnen“. Der Salzhof in Freistadt war voll, die Resonanz war sehr gut.
(www.wohneningemeinschaft.at​, www.leader-kernland.at​)

Vorgestellt wurden unter anderem die Projekte „Rosa Zukunft“ vom Diakoniewerk Salzburg, selbstorganisierte, gemeinschaftliche Wohnformen „Nachbarschaftliches Wohnen“, GENAWO GmbH, Garsten und „Lebensgut Miteinander“ in Rohrbach an der Gölsen/NÖ.
 
Grundtenor bei allen Projekten war Lebens-Phasen gerechtes Wohnen. Anschaulich wurde das, als die Veranstalter diejenigen der im Saal Anwesenden gebeten haben, aufzustehen die sich vorstellen könnten, später in einem Altersheim zu wohnen – alle sind sitzen geblieben.
Die Politik forciert den Ausbau von Alten- und Pflegeheimen. Alle sollen versorgt sein – trotzdem wünscht sich niemand, dort zu wohnen. Mangels Alternativen bleibt vielen jedoch keine Wahl.

Natürlich ist die Frage nach der Zukunft des Wohnens eine sehr persönliche, die jeder für sich selber klären muss. Dennoch sind vor allem auch die Politik und die Wohnbauträger gefordert, auf  anstehende Veränderungen zu reagieren und Ungleichgewicht auszugleichen. Angesichts der demographischen Entwicklung stellt das die ganze Gesellschaft vor eine große Herausforderung.

Nicht nur „Alte“ sind betroffen. Junge Menschen und ihre Eltern müssen heute viel mehr Geld, Zeit und Anstrengung in ihre Ausbildung stecken als früher. Hierzulande verdienen durchschnittliche BerufsanfängerInnen im Vergleich weniger Geld als vor 30 Jahren – obwohl mehr von den Menschen, die in den Job starten, studiert haben. Wissenschaftler der Freien Universität Berlin haben herausgefunden, dass BerufsanfängerInnen in den neunziger Jahren etwa so viel Geld hatten wie der Durchschnittsdeutsche. Heute haben sie 25 Prozent weniger als der Schnitt.
Trotzdem ist die Junge Generation oft erstaunlich zufrieden – angeblich spüren sie den Mangel als nicht so schlimm, weil Eltern oder auch Großeltern finanziell kompensieren.  (https://tinyurl.com/geringesgehalt​)​

LeNa
„LeNa – Wohnen in lebendiger Nachbarschaft“
Lebendige Nachbarschaft


In Engerwitzdorf, direkt am Fuße des Linzerbergs an der Gemeindegrenze zu Gallneukirchen, befindet sich ein auffällig grüner Gebäudekomplex. Seit Dezember 2016 sind die 45 Mietwohnungen bezugsfertig. Das Besondere daran ist das Konzept „LeNa – Wohnen in lebendiger Nachbarschaft“, das unter Moderation des Diakoniewerks von der Gemeinschaft der MieterInnen umgesetzt wird.

Erreicht werden soll eine Durchmischung und ein tragendes Netzwerk mehrerer Generationen, die unter einem Dach leben: Es gibt die Möglichkeit des betreubaren Wohnens für Menschen im Alter, aber auch behinderte Menschen leben hier selbständig in ihren eigenen vier Wänden.

Ziel ist, das Potential einer solchen Hausgemeinschaft zu stärken. Nach und nach machen die Bewohner die Erfahrung, dass sie auf ein Unterstützungsnetzwerk zurückgreifen können, sofern sie das wollen.  

Niemand lebt für sich allein – jeder braucht irgend jemanden. Das ist Nachbarschaft im besten Sinne.


Frau Aigner-Reiterbauer, eine Mitarbeiterin des Diakoniewerks und Koordinatorin vor Ort, nennt dafür Beispiele: „Oft sind es nur Kleinigkeiten – wenn ein Nachbar ein Paket annimmt oder bemerkt, wenn in einer leeren Wohnung noch Licht brennt. Die Menschen wahrzunehmen, die gemeinsam in nächster Nachbarschaft wohnen stärkt den Zusammenhalt. Wir haben oft auch verlernt, uns helfen zu lassen. Wichtig ist, dass es einen Begegnungsraum gibt, der von allen genutzt werden kann.“

Projekte wie „Lebendige Nachbarschaft“ oder „Quartiersmanagement“ gibt es inzwischen öfter. Die Bauträger haben erkannt, dass „Nachbarschaft“ in großen Wohnhäusern nicht von selber einfach so passiert. Ein friedliches, soziales Zusammenleben gelingt umso leichter, je weniger anonym die Anlagen konzipiert sind. In diesem Sinn bietet das Konzept der Quartiersgestaltung Raum für die Entwicklung lebendiger nachbarschaftlicher Strukturen. BewohnerInnen können ihre Wünsche und Bedürfnisse aktiv einbringen und ihr Lebensumfeld gestalten. Aus Betroffenen werden Beteiligte.​

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